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Schneckenalarm

Guten Morgen zum Mittwoch um 10! am 28. Dezember 2022 

Der Flieder weiß, wann in diesem Frühjahr kein Frost mehr kommt.“ Dieses Wissen hatte mir eine HexenFreundin im frühen Frühling zusammen mit einigen jungen TomatenPflanzen geschenkt, die ich nach den Tagen der EisHeiligen ins Beet mit Dach pflanzen wollte. So fing ich an, Ende April, Anfang Mai, meinen Flieder zu beäugen, wann sich seine Blüten öffneten. 

Als es so weit war, dass er duftend blühte, habe ich meine Tomaten– und Zucchini Setzlinge ins TomatenBeet gepflanzt.

Die KompostErde roch würzig, die Pflänzchen, mit einem Begrüßungsstein gestärkt, eingegossen, schienen sich wohl zu fühlen. Sie standen kräftig und fingen bald an, die ersten Blätter zu treiben und verheißungsvoll zu wachsen. Die Zucchini trieben schon wunderschöne gelbe Blütenkelche, es war mir eine Freude, sie täglich zu besuchen. Es schien, als brauchte ich nicht mehr zu tun, als mit freundlich aufmunternden Blicken ihr Wachstum zu begleiten.

Bis eines Morgens all die prächtigen gelben Blüten verschwunden waren – einige fette, faule Schnecken ruhten unter den Blättern. Buchstäblich über Nacht gekommen, fühlten sie sich wohl eingeladen, in diesem Schlaraffenland zu schlemmen. Wütend, sauer, frustriert, sammelte ich sie ein – setzte sie im nachbarlichen Feld aus, und tröstete mich voller Zuversicht in Anbetracht die vielen Knospen an den ZucchiniPflanzen. Am nächsten Morgen war eine ganze Schar von Schnecken an den Knospen beschäftigt, sogar die borstigen Blätter schienen ihnen zu schmecken.

Allabendlich pflückte ich die Schnecken ab, transportierte sie  ins Feld – das WuchsWetter mit allnächtlichem Regen und täglicher Sonne hielt an – und meine Zucchini wurden immer weniger. Die ersten Pflanzen schon ganz verschwunden.

Ich streute zerstampfte Eierschalen, Tomatenblätter, Rindenmulch um die verbliebenen Pflanzen. Die Schnecken nahmen das sportlich, und sie blieben Sieger! Irgendwann gab ich den Kampf auf, nachdem ich die Anfechtung niedergerungen habe, nun doch Schneckenkorn zu besorgen. Im vergangenen Winter hatten zwei Igel in meiner Pergola überwintert, die wollte ich auf keinen Fall vergiften. Wenn ich die inzwischen kahlen Stümpfe der Zucchini sah, kam durchaus Mordlust in mir auf, zusammen mit all den guten RatSchlägen von rabiaten GartenFreunden, die von BierFallen und zerschnittenen NacktSchnecken schwärmten…

Mir wurde klar, dass ich anfangen sollte, diese Tiere ernst zu nehmen, mich sorgfältig mit ihnen auseinander zu setzen, anstatt ihre LebensÄußerungen persönlich und übel zu nehmen. Schließlich hatte ich den Anspruch, meinen Garten mit den Wesen und Tieren zu teilen, die ihn schon vor mir bewohnt und bevölkert hatten. Mir dämmerte, dass ich mit diesen ungebetenen Gästen anders umgehen musste….

Da fiel mir das Büchlein „SchneckenAlarm“!* ein. Das hatte schon ein paar Jahre auf meine Aufmerksamkeit gewartet. Jetzt war der LeidensDruck dringend und groß genug, dass ich mich an die Lektüre machte! Ich begann, darin eher distanziert zu blättern, überzeugt, gegen diese Plage nütze ja doch gar nichts außer Gift. Zu meiner Überraschung wurde die Lektüre sehr schnell spannend. Zum Einen beschrieb die Autorin verschiedene heimische(!) SchneckenArten, die teilweise auf der Erde, manche jedoch auch tief in der Erde unterwegs sind. Abgeklaubt hatte ich ja immer nur die oberirdischen. Dann gibt es Tigerschnecken und Schnecken mit Häuschen, die die Eier der FeldWaldWiesenSchnecken fressen. Diese wahrlich „gemeinen Schnecken“ sind auch auf dem Speisezettel von Igeln. Außerdem empfahl die Autorin, mit den Schnecken zu sprechen, um Vereinbarungen mit ihnen zu treffen. Dabei riet sie ausdrücklich, freundliche Gespräche mit diesen gefräßigen Tieren zu führen. In der Zeit der Lektüre waren die Zucchini buchstäblich vom Erdboden verschwunden und Drohungen und Beschimpfungen wäre mir leicht gefallen.

Zwischendurch war meine Aufmerksamkeit beim Beginn mit meiner AusbildungsGruppe, Schnecken und Pflanzen gerieten aus meinem Blick, vollends, als ich danach krank wurde. Es kam eine Zeit, in der ich mein Leben neu sortierte. Rekonvaleszent wandte ich mich wieder bewusst meiner Gärtnerei zu: Im TomatenBeet war eine einzige ZucchiniPflanze übrig geblieben, die begleitet von einigen großen Weinbergschnecken tapfer wuchs und blühte.

Parallel, zeitgleich waren in meinem HochBeet die ersten SalatPflanzen fertig, die ich im frühen Frühjahr gepflanzt hatte. Tapfer hatten sie unter umgestülpten MarmeladeGläsern die letzten Fröste überstanden, interessanterweise waren sie fast unbehelligt von den Schnecken geblieben. So bepflanzte ich das Hochbeet neu mit Salat- und KohlrabiSetzlingen. Die hatten die Schnecken schon am nächsten Morgen so gründlich verputzt, das nicht mal mehr sichtbar war, dass da was gepflanzt worden war. Ich beschloss, meine Niederlage zu akzeptieren und gar nichts zu pflanzen, zu säen. Als ich ein paar Tage verreiste blieb das Beet einfach leer.

Die nächtlichen Regenfälle blieben aus, der ganze Garten verdorrte. Nur die Tomaten, die wohl genau ihr Wetter hatten gediehen prächtig, ohne gegossen zu werden. Einige ganz verwegene Schnecken hatten sich auch an denen vergriffen, obwohl die laut allen RatGebern überhaupt nicht zu SchneckenFutter taugten. So beschloss ich, den Garten einfach dem heißen, trockenen Sommer zu überlassen, ohne mich vergeblich einzumischen. Die Wiese wurde braun, die Bäume ließen ihre Blätter schlapp hängen oder warfen sie ab, die Pflanzen wetterten Hitze und Trockenheit ab, mit unterschiedlichem DurchhalteVermögen.

Und eines nachts fiel der erste ernst zu nehmende Regen. Die Wiese mit all ihren HeilKräutern erholte sich ganz schnell – Und als ich aufs Hochbeet schaute, prangten dort viele ZucchiniPflanzen, die ich weder gepflanzt noch gesät hatte. Völlig überrascht nahm ich die unter meine Fittiche. Ein paar letzte Schnecken pflückte ich ab, erklärte ihnen, inzwischen milder gestimmt, dass sie den ganzen Garten besuchen und als FutterQuelle haben dürften, aber das Hochbeet samt Zucchini sei verbotenes Terrain. Von Tag zu Tag schien sich das in Schneckenkreisen immer erfolgreicher herumzusprechen. Die letzten Uneinsichtigen sammelte ich ein, um sie zum Kompost zu transportieren. Ich erklärte ihnen, dass sie dort nach HerzenLust futtern und schlemmen konnten! Und bald blühten meine Zucchini, dass es eine Pracht war. Die ersten Fruchtansätze waren gelb. 

Gespannt behielt sie im Blick – und wunderte mich, dass sie statt grün gelb, statt länglich kugelrund wurden. Und allmählich traute ich meinen Augen: meine Zucchini waren Kürbisse!

Und da fing das Rätsel erst an: Wie kommen Kürbisse auf mein Hochbeet? Noch nie hatte ich Kürbisse angebaut!

Und irgendwann dämmerte mir: Immer wieder hatte ich in den vergangenen Jahren den einen und anderen Kürbis gekauft, ausgehöhlt, die Kerne im Kompost entsorgt ….und anscheinend waren diese Samen mit der KompostErde in diesem Frühjahr auf dem HochBeet gelandet. Und nachdem die Schnecken alles Gepflanzte, Gesäte und auch alle Un-und Heilkräuter verputzt hatten, nutzten diese KürbisKerne die Gunst der freien Fläche und hatten sich tapfer durch Hitze und Trockenheit gefrettet, um auszutreiben und mich mit einer Menge kleiner, leckerer Kürbisse zu beschenken.

Meine anfängliche VerlegenheitsInterpretation, mir seien „Zucchini vom Himmel gefallen“, war also gar nicht so verkehrt – nur waren diese Zucchini halt Kürbisse.

Mir gefällt diese Beobachtung so gut, beschreibt sie doch, wie der Wechsel von tun und lassen buchstäblich Früchte tragen kann, überraschend und als großes Geschenk!

Nichts in der Natur ist zufällig. Es erscheint nur zufällig, aufgrund der Unvollständigkeit unseres Wissens.“(Baruch de Spinoza)

Dieses kleine Zipfelchen Wissen, das mir Schnecken, Büchlein, Pflanzen, Sonne, Wind und Regen, mein Tun und Lassen – kurz mein Abenteuer Garten beschert hat, mag ich gerne teilen. Es macht mich seltsam zuversichtlich und dankbar, zeigt es doch, dass Leben eben nicht berechenbar geradeaus, ebenerdig und rechtwinklig, geplant, beherrscht und gemacht werden kann,

sondern einfach geschieht – in anderen Ebenen, Tiefen, Dimensionen….

Mit meinem Dank für Deine AufMerksamkeit 

und meinen guten Wünschen

für wahrnehmende

ZuVerSicht

für das Kommende Neue

herzlich

uTa

* Das Büchlein: Schneckenalarm! Von Sofie Meys im PalaVerlag


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